Die Stiftung stellt sich vor

Entstehung


Aktivitäten


Projekte


Kuratorium


Nachruf auf Professor Haslinger

 

Entstehung

Die Adolf Haslinger Literaturstiftung wurde 1977 als Salzburger Literaturarchiv von O.Univ.-Prof. Dr. Adolf Haslinger gegründet. Obwohl Salzburg tonangebend eine Musikstadt ist, hat sich hier in letzter Zeit eine lebendige Literaturszene entwickelt. Die längeren Aufenthalte von bedeutenden Autoren wie H.C. Artmann, Peter Handke, Rudolf Bayr, Peter Rosei, Gerhard Amanshauser, Franz Innerhofer, Christine Haidegger, Erwin Einzinger, Christoph W. Aigner haben ebenso dazu beigetragen wie die ortsansässigen literarischen Verlage Residenz und Otto Müller, die aktive Literatur- und Hörspielabteilung des ORF unter Klaus Gmeiner, die Gründung und Publikation literarischer Zeitschriften wie SALZ oder Literatur und Kritik, die Aktivitäten der Leselampe und des Literaturhauses Eizenbergerhof, die Professoren und Studenten der Salzburger Universitäts-Germanistik, nicht zuletzt die Präsenz der Trakl-Forschungs- und Gedenkstätte, des Festspielarchivs und der Max-Reinhardt-Forschungs- und Gedenkstätte: alle diese Institutionen und die kreativen Menschen um sie haben die Musikstadt Salzburg auch zur Literaturstadt Salzburg gemacht.

Die Gründung und Errichtung eines Salzburger Literaturarchives war also eine nahe liegende Entwicklung. Obwohl das Salzburger Literaturarchiv trotz vieler Mühen, einer Reihe von konkreten Plänen und einiger Zusagen seit Beginn keine wirkliche Heimstätte gefunden hat, kann es bereits auf einen beachtlichen Bestand von wertvollen Archivalien (Dichterautographen, Manuskripte, Typoskripte etc.) verweisen. Dieser Bestand kam durch eigene Sammeltätigkeit sowie durch Ankäufe von Manuskripten, Typoskripten und durch Spenden und Geschenke zustande. Lange Zeit konnte das Salzburger Literaturarchiv seine Bestände dank des Entgegenkommens des Instituts für Germanistik im Hause Akademiestraße 20 in Salzburg aufbewahren. Leider reichte der zur Verfügung stehende Platz nur zur Aufbewahrung, nicht jedoch für die Erschließung, wissenschaftliche Bearbeitung oder Präsentation der Bestände aus.

Die Salzburger Festspiele boten dem Literaturarchiv im neu adaptierten Schüttkasten in fachlicher Nachbarschaft zum Salzburger Festspielarchiv größere Räumlichkeiten an. Die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Frau Dr. Helga Rabl-Stadler, übergab die Räume am 20. November 1995.

Im Frühjahr 1996 erhielt das Salzburger Literaturarchiv die rechtliche Form einer Stiftung (Bescheid des Amtes der Salzburger Landesregierung als Stiftungsbehörde vom 16.4.1996).

Im Spätherbst 2008 übersiedelte die Stiftung Salzburger Literaturarchiv auf die Edmundsburg, in die unmittelbare Nachbarschaft des Stefan Zweig-Centre. Seit Anfang Oktober 2011 kooperiert die Stiftung Salzburger Literaturarchiv sehr eng mit dem neugegründeten Literaturarchiv Salzburg, Forschungszentrum von Universität, Land und Stadt Salzburg.

Im Jänner 2014 erfolgte mit Bescheid vom 7.1.2014 die Änderung des Stiftungsnamens auf Adolf Haslinger Literaturstiftung.

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Aktivitäten

Die Adolf Haslinger Literaturstiftung ist eine Institution der Literaturforschung, die sich vorrangig mit aktuellen und historischen Aspekten des literarischen Geschehens in Salzburg befasst. Selbstversändlich bezieht die Adolf Haslinger Literaturstiftung jene gesamtösterreichischen und internationalen Zusammenhänge in ihre Arbeit ein, die für das aktuelle und historische literarische Leben in Salzburg von Bedeutung sind.

Die Adolf Haslinger Literaturstiftung sammelt Gesamt- und Teilnachlässe von Salzburger Autoren, einzelne Manuskripte, Typoskripte, Briefe, Bibliotheken,Teilbibliotheken, Bilder, Fotos, Ton- und Bildträger, einzelne Werke und Gegenstände aus dem Besitz von Autoren. Außerdem sammelt sie Sekundärliteratur zu Salzburger Autoren sowie Zeugnisse des literarischen Lebens in Stadt und Land Salzburg (z.B. Plakate, Einladungen und Drucksorten literarischer Veranstaltungen, Fotos und Berichte über literarische Veranstaltungen, literarische Zeitschriften aus Salzburg sowie - nach Maßgabe der finanziellen Möglichkeiten - die von Salzburger Autoren verfassten Werke aus der Vergangenheit und Gegenwart).

Ziel der Sammeltätigkeit ist die Archivierung und konservatorisch richtige Aufbewahrung sowie die wissenschaftliche Erschließung dieser Materialien.

Erst die durch Kataloge und Verzeichnisse vorgenommene Erschließung der Bestände ermöglicht dem interessierten Benützer des Literaturarchivs den Zugang als Wissenschaftler, Autor, Student, Schüler, Journalist etc.

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Projekte der Stiftung Salzburger Literaturarchiv

Das Salzburger Literaturarchiv veranstaltete im November 1981 zum 100. Geburtstag von Stefan Zweig in Zusammenarbeit mit der Max-Reinhardt-Forschungs- und Gedenkstätte im Schloß Arenberg eine international beachtete Ausstellung (Ausstellungs-Gestaltung: Prof. Imre Vincze) über den berühmten Dichter. Dabei konnte das Literaturarchiv aufgrund eines Aufrufes an die Salzburger Bevölkerung erstmals eine Reihe von wertvollsten Materialien zeigen, die von der internationalen Stefan-Zweig-Forschung mit größtem Interesse wahrgenommen wurden. Zu dieser Ausstellung erschien ein Katalog, der die Ausstellung, die vom Außenministerium als Wanderausstellung in viele europäische und außereuropäische Städte entsendet wurde, begleitet hat. (Heinz Lunzer u. Gerhard Renner (Hrsg): Stefan Zweig 1881/1981. Aufsätze und Dokumente. Mit Beiträgen von Klaus Zelewitz, Hildemar Holl u.a. Wien 1981. (= Zirkular, Sondernummer 2).

An der Stefan-Zweig-Ausstellung des Jahres 1992 im Schüttkasten beim Festspielhaus beteiligte sich das Literaturarchiv ebenso wie an der daraus entwickelten Wanderausstellung, die erstmals in Frankfurt am Main zur Buchmesse im Oktober 1995 gezeigt wurde und die nach Stationen in Dresden, Zürich, Meran und Luxemburg weiter nach England, Frankreich, Budapest, Preßburg, Krakau, Prag sowie nach Übersee (USA und Südamerika) ging. (Ausstellungskatalog: Stefan Zweig. Für ein Europa des Geistes. Hrsg. von Klemens Renoldner, Hildemar Holl und Peter Karlhuber. Salzburg 1992. 2. Auflage Wien: Verlag der Apfel 1992. Im Anschluss an die Ausstellung erschien folgender repräsentativer Band: Stefan Zweig. Bilder - Texte - Dokumente. Hrsg. v. Klemens Renoldner, Hildemar Holl und Peter Karlhuber. Salzburg: Residenz Verlag 1993; Französische Ausgabe bei der Edition Stock, Paris, 1994). Über die um Hermann-Hesse- und Thomas-Mann-Originale sowie um zahlreiche wertvolle Autographen aus der ehemaligen Sammlung Stefan Zweigs angereicherte Ausstellung in Zürich berichteten ausführlich die Salzburger Nachrichten (11.4.1996, S. 15) sowie Donald A. Prater in der Neuen Zürcher Zeitung (13./14.4.1996, S. 51-52.)

Für die Erforschung der komplizierten Familiengeschichte Johannes Freumbichlers und seines Enkels Thomas Bernhard, die in seinem Werk eine geradezu prägende Rolle spielt, konnte das Literaturarchiv wichtige Impulse geben (u.a. für Publikationen von Caroline Markolin und Hildemar Holl).

Für die Publikationsreihe Salzburger Bibliothek des Otto Müller Verlags (bisher 7 Bände), die Hildemar Holl herausgibt, ist das „SLitA" ein wichtiger Auskunfts- und Ansprechpartner, ebenso für die Literaturabteilung des ORF-Landesstudios Salzburg, das zu vielen Salzburger Autoren Sendungen produziert hat.

Von 1983 bis 1989 hat das Literaturarchiv im Rahmen eines Forschungsschwerpunktes des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich an dem österreichweiten Projekt Erfassung der literarischen Nachlässe in Österreich mitgearbeitet. Die Ergebnisse sind in die entsprechenden Handbücher eingeflossen, besonders in: Murray G. Hall: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Unter Mitarbeit von Gerhard Renner. Wien: Böhlau 1993; 2., neu bearb. u. erw. Auflage 1995.

Auch das Salzburger Kulturlexikon, herausgegeben von Adolf Haslinger und Peter Mittermayr (Salzburg: Residenz Verlag 1987, 2. Auflage 2001), das die reichen kulturellen Leistungen Salzburgs von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart dokumentiert, hat im Bereich der Literatur von den Beständen und den Kenntnissen des Literaturarchivs nachhaltig profitiert.

In Zusammenhang mit der Uraufführung von Peter Handkes Stück Immer noch Sturm veranstaltete das Literaturarchiv im Foyer des Stefan Zweig-Centres die Ausstellung Peter Handke und Salzburg. Eine literarische Spurensuche (August 2011). Das Literaturarchiv beteiligte sich an der Ausstellung An den Rändern und im Zentrum. Peter Handke in Salzburg (17. Oktober - 7. Dezember 2012), die zum 70. Geburtstag des Dichters stattfand.

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Kuratorium der Adolf Haslinger Literaturstiftung

Rektor Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger, Vorsitzender

Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf
Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler
KR Heinrich Spängler, stellvertr. Vorsitzender
Dr. Manfred Mittermayer, Geschäftsführer
Hildemar Holl, stellvertr. Geschäftsführer
Univ.-Prof. Dr. Herwig Gottwald

Kooptierte Mitglieder:
Mag. Arno Haslinger

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Nachruf auf Prof. Dr. Adolf Haslinger

 

Herr Prof. Adolf Haslinger ist am 7. Jänner 2013 an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. Bis zu seinem plötzlichen Tod leitete er aktiv die 1977 von ihm gegründete Stiftung Salzburger Literaturarchiv.

Er war Gründungsmitglied des Instituts für Germanistik an der Universität Salzburg und dort bis zu seiner Emeritierung 2001 als O. Univ.-Prof. für Österreichische Literatur und Literaturgeschichte tätig, von 1995 bis 2001 war er auch Rektor der Universität Salzburg.

Adolf Haslinger wurde am 23. März 1933 in Saalfelden geboren, besuchte in Salzburg die Lehrerbildungsanstalt und unterrichtete einige Jahre an Volks- und Hauptschulen. Er studierte dann an der Universität Innsbruck Anglistik und Germanistik und promovierte dort mit einer Dissertation über die Dialektgeographie des Pinzgaues (1961). 1969 habilitierte er sich mit einer Studie über Epische Formen im höfischen Barockroman. Anton Ulrichs Romane als Modell. 1976 wurde Haslinger als Ordentlicher Universitätsprofessor auf den Lehrstuhl für Österreichische Literatur und Literaturgeschichte am Institut für Germanistik der Universität Salzburg berufen, wo er bereits seit 1964 tätig gewesen war.

Adolf Haslinger baute das von ihm 1977 gegründete Salzburger Literaturarchiv konsequent auf, in dem er in den folgenden Jahren mit geringen Mitteln Autographen, Manuskripte, Texte, Briefe, Lebenszeugnisse und Nachlässe von Salzburger Autorinnen und Autoren sammelte, archivierte und für die wissenschaftliche Aufarbeitung erschloss. Nach bescheidenen Anfängen im Hause Akademiestraße 20 (Institut für Germanistik) war das Archiv ab 1996 im Schüttkasten im Festspielbezirk untergebracht. Im Juli 1996 wurde es als selbständige Stiftung Salzburger Literaturarchiv offiziell eröffnet und befand sich dann von 2008 bis 2011 auf der Edmundsburg, ehe es als Kooperationspartner des neu gegründeten Literaturarchivs Salzburg in dessen Räumlichkeiten am Residenzplatz 9/2 eine dauerhafte Bleibe fand.

Von einer kleinen Schar Interessierter unterstützt, gelang es Adolf Haslinger, dem Salzburger Literaturarchiv im Rahmen der österreichischen Literaturarchive einen anerkannten Platz zu verschaffen. Eine wichtige Rolle spielte dabei seine Freundschaft mit Peter Handke, die auf die frühen Siebziger Jahre zurückgeht und die es dem Salzburger Literaturarchiv ermöglichte, wertvolle Archivalien von Handke zu erwerben.

Prof. Haslinger und Peter Handke
Prof. Adolf Haslinger mit Peter Handke (2010)

Weiters leitete Haslinger bereits 1981 die „Wiederentdeckung“ Stefan Zweigs in Salzburg durch die Stefan-Zweig-Ausstellung im Schloss Arenberg ein. Mit mehreren Symposien (Das unbekannte Erbe, Textgenese und Interpretation etc.) und Ausstellungen von Autographen trat das Salzburger Literaturarchiv an die Öffentlichkeit. Dazu zählt auch die 2008 erschienene Publikation Briefe an Erich Landgrebe (mit Hildemar Holl), die anlässlich einer gemeinsam mit dem Salzburg Museum veranstalteten Ausstellung veröffentlicht wurde.

Im Laufe der Jahre sammelte das Salzburger Literaturarchiv unter Haslingers Leitung wichtige und wertvolle Archivalien u. a. von Gerhard Amanshauser, Hermann Bahr, Alois Brandstetter, Christine Busta, Erwin Einzinger, Helmut Eisendle, Barbara Frischmuth, Bodo Hell, Peter Henisch, Franz Innerhofer, Gert Jonke, Walter Kappacher, Alfred Kubin, Christoph Ransmayr, Romain Rolland, Peter Rosegger, Peter Rosei, Herbert Rosendorfer, Julian Schutting, Karl Heinrich Waggerl, Gernot Wolfgruber und Maria Zittrauer.

Die Stiftung verliert mit Prof. Haslinger ihren Initiator, der vor mehr als 35 Jahren die Grundlagen für ihre Sammlung geschaffen und sie seither geleitet hat.

Die Neugründung des Literaturarchivs Salzburg durch die Universität Salzburg hat Herr Prof. Haslinger begrüßt und die enge Kooperation nachhaltig gefördert.

Die Stiftung Salzburger Literaturarchiv wird gemeinsam mit dem Literaturarchiv Salzburg die wissenschaftliche Arbeit Prof. Haslingers im seinem Sinne weiterführen und sich seiner und seiner Lebensleistung stets in Dankbarkeit und Verehrung erinnern.

Unser Mitgefühl gilt seiner Frau und der gesamten Familie.

Kommerzialrat Heinrich Spängler, Vorsitzender des Kuratoriums
Hildemar Holl, langjähriger Mitarbeiter Prof. Adolf Haslingers

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